Die Sudpfanne

Bier zu produzieren ist ja eigentlich ganz einfach, sonst hätten es die alten Sumerers ja nicht schon vor 7’000 Jahren (oder so) erfinden können, und wenn es wahnsinnig kompliziert gewesen wäre Bier zu erfinden, dann wäre Bier auch wahrscheinlich erst von einem Herrn Klaus-Bärbel Kaluppke (oder so) im Jahre 1853 erfunden worden, wofür Herrn Kaluppke auch zweifelsohne der Friedensnobelpreis zuerkannt worden wäre.
Oder so.

Das Prinzip des Bierbrauens ist folgendes:

  • Man nimmt Gerste, weicht sie in Wasser ein, läßt sie wachsen, um sie dann anschließend wieder zu trocknen – voilà, wir haben Malz!
  • Hopfen bekommt man gegen Übergabe mehr oder minder großer Geldgeschenke von sogenannten Hopfenbauern, welche vorzugsweise in der Hallertau, nördlich von München, anzutreffen sind.
  • Wasser kommt von den Stadtwerken ihres Vertrauens, ebenfalls gegen Übergabe meist größerer Geldgeschenke.
  • Hefe treibt sich eigentlich so überall in der Luft herum – außer vielleicht in der Antarktis, was für eine gewisse Intelligenz sogar bei so niederen einzelligen Lebensformen wie Spaltpilzen spricht.
    In größeren Mengen ist Hefe jedoch auch in Supermärkten, bei auf Hefereinzucht spezialisierten Laboratorien oder bei Brauereien erhältlich. Nein, Obi führt Hefe nicht im Sortiment.

Nun mahlt man das Malz zu Mehl, vermischt dieses Mehl mit Wasser, nach Einhaltung verschiedener Temperaturstufen trennt man die zuckerhaltige Flüssigkeit von den Spelzen (bei Brauern Treber genannt, etymologisch mit dem Trester verwandt) und kocht das Ganze für 60 Minuten (wahlweise auch eine Stunde).

Hopfen bei Kochbeginn dazu schmeißen (umso mehr, je bitterer man sein Bier haben möchte).
Nach Kochende die jetzt übrigens Würze genannte Flüssigkeit abkühlen, die Hefe reinschmeißen, und das ganze unter Luftabschluß und unter mäßigem Druck (ca. 0,6 bar) vergären.

Nach der ca. einwöchigen Hauptgärung empfiehlt es sich sehr sich noch in Geduld zu üben, bis auch die Phase der Nachgärung (ca. sechs bis sieben Wochen bei -1°C) abgeschlossen ist.

Fertig.

Soweit zur Theorie des Bierbrauens – monetäre Zuwendungen als Mittel der Dankesbezeugung für diese wundervolle Erläuterung werden gerne via Flodder und/oder Kuchengel (oder so)  entgegengenommen.

Doch zurück zum Thema. Es geht ja offensichtlich nur um eine Sudpfanne, also jenem Teil der Brauerei, der groß, oft kupfern und hoffentlich blitzblank gewienert von außen zu betrachten ist.

Sudhaus der Firma Maierbräu. Die arme Sau, die das ganze Kupfer wienern muß... ;-(

In der Firma in der ich momentan arbeite, wird ein Sudhaus einer kanadischen Firma verwendet (ich glaube mittlerweile fest daran, daß die drei Buchstaben des Firmennamens für Durability Marginally Expected stehen…).

Vor anderthalb Jahren nun begab es sich, daß die Heizzonen der alten Sudpfanne mehr Dampf ungenutzt in die Umwelt entweichen ließen, als sie zur Erhitzung der Würze verwendeten.
Eine nähere Untersuchung ergab, daß die Dampfzonen eher einem schweizer Käse denn Dampfzonen glichen.
Löcher – und davon jede Menge!

Es mußte eine neue Sudpfanne her. Der Einfachheit halber und der Verfügbarkeit willen wurde wieder auf ein System derselben dreibuchstabigen Firma zurückgegriffen.

Kaum drei Wochen Produktionsausfall und 18’000 € später war die Firma im Besitz einer neuen Sudpfanne.
Edelstes Edelstahl, kombiniert mit überragender kanadischer Ingenieurskunst, hatten ein Meisterwerk an Heimbraukunst entstehen lassen.

Jetzt, wie gesagt anderthalb Jahre später, das gleiche Problem: das Ding leckt aus allen Ecken und Fugen!

Diese Firma angerufen, die natürlich auch sofort (nach nur einer Woche) gekommen ist. Alles getestet, alles zugeschweißt was zuzuschweißen war – nix half: sobald ein Loch im Stahl verschweißt wurde, brach an anderer Stelle ein anderes auf.
Der Stahl war so mürbe geworden, daß die Monteure nichts mehr reparieren konnten.

Stattdessen schnitten sie noch zusätzlich einige Riesenlöcher in die Dampfzonen (kein Witz!), brabbelten irgendwas von “irreparabel”, sammelten ihr Werkzeug ein und verschwanden.

Nicht ohne vorher zu erwähnen, daß eine neue Sudpfanne zum Vorzugspreis von 25’000 CAD bereit stünde, sollte man denn eine neue brauchen…

Jetzt wißt ihr, was ich die letzten Tage so getrieben habe… Angebote einholen für ein komplett neues Sudhaus, Schweißarbeiten an der Sudpfanne überwachen, Emails an den Chef und den Operations Manager, beide übrigens zur selben Zeit im Urlaub, schreiben, telephonieren wie ein Weltmeister (ich schwöre, daß wenn ich noch ein einziges Telephonat mehr hätte machen müssen, dann hätte ich Blasen am Ohr bekommen – echt getz!), und nebenbei noch die laufende Produktion aufrecht erhalten.

Die Mühe hat sich übrigens gelohnt: mit Hilfe einer Firma hier aus dem Dorf haben wir die Pfanne wieder so hinbekommen, daß wir zumindest so lange weiter produzieren können, bis das neue, doppelt so große Sudhaus (hoffentlich von einer angesehenen europäischen Firma) kommt .

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9 Responses to Die Sudpfanne

  1. Loola says:

    und natürlich kann ich auch verstehen, dass du dann so überarbeitet warst, dass du einfach nicht noch mal den Text durchlesen konntest und deshalb nicht bemerkt hast, dass du “Hpfenbauern” geschrieben hast ;)

    -ansonsten ein sehr erheiternder text :D

    • Andi says:

      Och Mönsch, was ist denn bloß mit mir los?? Hab’ das “o” natürlemang gleich noch zwischen das “H” und das “p” reingequetscht.

      Danke für’s Korrekturlesen… :-)

  2. barney says:

    “Hecho en Canada” ;)

    Hatte das Ding eigentlich irgendwo Opferanoden oder Fremdstromanoden – bzw. wurden die regelmäßig gewartet oder ausgetauscht? Weil dieser massive Ausfall klingt mir beinahe so, als ob die beim Aufbau bzw. der Wartung vergessen wurden.

    Oder der Edelstahl war wohl doch nicht so edel, wie es das chinesische Stahlwerk den kanadischen Stahlmetzen durch einen gefaketen Stempel versichert hat… Vielleicht feixen sich aber auch an den Great Lakes ein paar US-Stahlfritzen gerade eins, dass sie ihre nördlichen Nachbarn mal so richtig übers Ohr gehauen haben, so als Rache für ein paar derbe Eishockey-Niederlagen? :)

    • Andi says:

      Wir lassen den Stahl jetzt analysieren, denn wie abzusehen war, versuchen die sich mit angeblich zu hohem Chloridgehalt und zu niedrigem pH des Dampfes herauszureden… :-(

      Seltsam nur, daß wir alle Tage Wasserwerte gucken (seit die erste Sudpfanne kaputt ging) – Chloride sind i.O., pH ist bei 6.0 – 6.5.
      Noch seltsamer ist, daß die Dampfrohre aus normalem Stahl nicht kaputt sind…

  3. Homebrew says:

    a – Gerste nicht trocknen. ..leicht rösten wandelt die Stärke in Zucker um, der im Endprodukt den begehrten Alkohol und damit auch einen Teil des Geschmacks bringt.
    b – Die Pilze sind sicher nicht intelligent. Sie wachsen einfach nur nicht unter wiedrigen Bedingungen. Wer schon viel Geld hinblättert, sollte auch nicht Hefe, sondern spezielle Brauhefe kaufen, die mit genauen Temperaturangaben, maximal erreichbarem Alkoholgehalt (Pilze sterben ab einem gewissen Grad ab / stellen zumindest ihre Tätigkeit ein) und optimalen Wuchsbedingungen gelifert werden.
    (Ja, man kippt nicht einfach irgendwas irgendwo rein, sondern erweckt die gelieferten Sporen erst einmal in einem Zuchtmedium zur Aktivität. Dieses wird dann..und jetzt kommts…von Abbauprodukten gereinigt und konzentriert der vortemperierten Maische hinzugefügt. Ihr könnt viel Geld haben und ausgeben, aber “Können” ..haha
    c – Kupferaussenseite eines Keesels wird einmal gesäubert, dann mit Hartwachs gewachst wie ein Auto…hält ein paar Jahre. Zur Pflege genügt ein weicher, trockener Lappen.

  4. Homebrew says:

    rösten: Temperatur bedingt später Farbe, Süsse und ..hefebedingt den Alkoholgehalt
    Maische: braucht auch eine Anfangs-, Brau- und Endtemperatur
    Wasser: da schaltet man natürlich ein paar Filter vor. (min. Entkalken und Aktivkohle) Einfaches Trinkwasser aus dem Hahn wird gechlort und ist der schnelle Tod von der Brauhefe. Je weicher das Wasser, desto süffiger das Bier.
    Mit guter Gerste
    – einer Brauhefe, die hohe Temperaturspannen verträgt und höchsten Alkoholgehalt verträgt
    – Hopfen…muss man vielleicht auch mal erwähnen: habt ihr mal genau auf ein Etikett gesehen? Das gibts auch als Extrakt und fast alle Brauer benutzen das….kann man theorethisch im letzten Moment dazugeben, wenn man erstmal einen guten Stoff hat.
    ..wie ein Gewürz..mehr ist es nicht.
    – WEICHEM Wasser = das Wichtigste
    …und Einhaltung von jederzeit sterilen und temperaturgegebenen Hitze-/ Kühlzeiten kann jeder Affe ein Bier brauen. Der stolze, teure und für Anfänger überflüssige Kupferkessel (dient wie eine Kupferpfanne nur der optimalen Temperaturverteilung bei KÖNNERN) ist meist überflüssig.

  5. Homebrew says:

    Warum die Anfängertipps?
    Weil ich sehe, wie immer mehr unwissende Deppen mit viel Geld irgendeinen Posten zugeschoben bekommen, von dem sie nicht einen blassesten Schimmer haben. Deshalb holen sie sich Assistenten. Diese werden natürlich auch mit blassestem Schimmer ausgewählt und ggf auch noch zwecks Gewinnmaximierung unterbezahlt. WAS soll da rauskommen? Ich habe schon Fragen in Hobbybrauer-und Survival-Foren gesehen, die von mehr Ahnung zeugten :(

  6. Homebrew says:

    Tipp: macht doch Ahornlikör. Speisealkohol kaufen, mit original kandischem Ahornsirup mixen und ne GUTE, passende Werbekampagne starten…
    Das kostet in der KLR nicht so viel und bringt auch ohne grosse Kenntnis ein verkaufbares Produkt. Der Erfolg lieg allein an einer originellen Werbekampagne.

  7. Homebrew says:

    SWAY war und ist doch ein Modewort der pubertiernden under30-Generation.
    Sway on Ice. Bleib kanadisch Cool. Stay Sway. Keep yourself a bit of Coolness..das kann doch nicht schwer sein.

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