Grundstein für journalistische Laufbahn

Ich bin soweit. Ich denke ich bin sowohl physisch, psychisch, mental, intellektuell und körperlich in der Verfasssung den Theodor-Wolff Journalistenpreis entgegennehmen.

Nein, aber mal im Ernst: ich habe meinen ersten Artikel an eine Zeitung geschickt. Gestern war ich mit dem Artikel soweit zufrieden, daß ich ihn eingeschickt habe. Mal schauen, was dabei rauskommt…

Hier der Artikel, wen’s interessiert:

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Ist Bier gleich Bier?

Beim Wort Bier denken viele automatisch an Sonne, Grillen und Biergarten; was auch absolut legitim ist, denn was gibt es Schöneres, als mit der Familie oder guten Freunden zusammen ein kühles Bier in einem schattigen Biergarten zu genießen? Vielleicht noch eine leckere Brotzeit mit hausgemachten Köstlichkeiten und fertig ist ein unvergeßlicher Tag.

Seit einigen Jahren ist eine Sensibilisierung der Verbraucher im Lebensmittelsektor zu beobachten. Wo noch vor wenigen Jahren industriell hergestellte Lebensmittel oftmals kritiklos eingekauft und verzehrt wurden, werden heute Produktionsmethoden hinterfragt (Stichwort Öko-/Bio-Lebensmittel), und auf den Verpackungen angegebene Inhaltsstoffe und Nährwerte kontrolliert bzw. einer Evaluation unterzogen.

Diese auf den Lebensmitteletiketten aufgedruckten Informationen sind aber mittlerweile schon so zur Gewohnheit geworden, daß man sie oft gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Wer weiß schon auswendig was in seinem Frühstücksmüsli enthalten ist? Oder was enthält der Schokoriegel, den Sie wegen Zeitmangel in ihrer verkürzten Mittagspause verzehren müssen?

Es gibt Lebensmittel, da fehlen diese Informationen jedoch komplett, ohne daß sich jemand darüber wundert. Oder haben Sie auf dem Etikett einer Bierflasche schon einmal solche Informationen gefunden?
In Deutschland ist das relativ einfach, da existiert seit 493 Jahren das Bayerische Reinheitsgebot (zum Deutschen Reinheitsgebot wurde es erst im Jahre 1906). Herzog Wilhelm IV. erließ das Reinheitsgebot am 23. April 1516, und somit ist es eines der ältesten Lebensmittelgesetze der Welt.

Laut Original-Reinheitsgebot darf zum Bierbrauen nur Gerste, Wasser und Hopfen verwendet werden. Gerste wurde hier vermutlich deshalb gewählt, weil man die Versorgung der Bevölkerung mit Brot aus Weizen sicherstellen wollte. Natürlich wurde das Reinheitsgebot für Bier im Laufe der Jahre angepasst, aber im Wesentlichen dürfen auch heute zum Brauen nur vermälztes Getreide oder Produkte daraus, Wasser, Hopfen und Hefe verwendet werden. Hefe ist im ursprünglichen Reinheitsgebot nicht enthalten, da man zu dieser Zeit noch nichts von Mikroorganismen wußte.

Wie aber sieht es mit Bieren aus, die nicht nach einem Reinheitsgebot hergestellt wurden?

Während nach dem Reinheitsgebot nur Malz (am häufigsten Gerstenmalz, aber auch Weizen-, Roggen- und Sorghummalz) zur Bierbereitung zulässig ist, dürfen für andere Biere alle erdenklichen stärke- oder zuckerhaltigen Produkte herangezogen werden, z.B. industriell hergestellter Zucker, Kartoffelstärke, Rübensirup und unvermälzte Getreide (sog. Rohfrucht) wie z.B. Haferflocken, Mais oder Reis.
Das ist an sich auch nicht weiter schlimm, denn Stärke wird ja beim Brauen zu vergärbarem Zucker abgebaut, und der Hefe ist es herzlich egal woher denn dieser Zucker nun definitiv kommt, der zu Alkohol und CO2 umgewandelt werden soll. Geschmacklich werden natürlich Unterschiede festzustellen sein, so wie es z.B. auch bei einer Salami von Bedeutung ob sie, wie laut Originalrezeptur, aus Esel- oder Maultierfleisch oder aus Rind- bzw. Schweinefleisch hergestellt wurde.
Reis ergibt z.B. Biere mit einer sehr hellen Farbe; beobachtet werden kann das am besten beim brasilianischen Bier Brahma, das momentan zu den hellsten Bieren weltweit zählt.

Aber es gibt noch mehr Unterschiede in den Brautechniken.

Um unerwünschte Eiweiße aus der Bierwürze zu entfernen, setzen Brauer die nicht an das Reinheitsgebot gebunden sind, oftmals Irish Moss zu. Dabei handelt es sich nicht, wie man dem Namen nach vermuten könnte, um eine Moosart, sondern vielmehr um einen Knorpeltang (Chondrus crispus) der von Wellenschlag an nordatlantischen Küsten, z.B. an der West- und Nordostküste Irlands, in Schottland und Massachusetts, angeschwemmt und gesammelt wurde. Heutzutage werden diese Algen jedoch auf den Philippinen kommerziell angebaut.
Der aktive Bestandteil von Irish Moss ist Carrageen, welches man vielleicht am einfachsten als pflanzliche Gelatine bezeichnen könnte, ähnlich wie Agar-Agar.

Die abgekühlte Würze (d.h. die Lösung von Malzzuckern in Wasser) wird für die Gärung nach dem Kochen mit Hefe versetzt und belüftet, um eine rasches Hefewachstum zu gewährleisten. Zur Belüftung darf nach dem Reinheitsgebot nur reine, gefilterte Umgebungsluft benutzt werden, in anderen Ländern wird der Einfachheit halber häufig auf reinen Sauerstoff ausgewichen. Es sollte sich hierbei allerdings um reinen, medizinischen Sauerstoff handeln, dann ist dieser Praxis auch nicht viel entgegenzusetzen.
Sauerstoff wie er z.B. beim Schweißen benutzt wird, ist hingegen nicht anzuraten. Nicht weil er schlechter wäre als der medizinische Sauerstoff, sondern weil der Reinheitsgehalt niedriger ist. Die Frage ist also nicht ob der Zusatz von 99.9%ig reinem Sauerstoff oder 95%ig reinem Sauerstoff besser ist, sondern aus was die verbleibenden Anteile, also die 0.01% bzw. 5% sich zusammensetzen.

Normalerweise sind in der Bierwürze alle für die Hefe erforderlichen Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten. Um die Gärung zu beschleunigen wird jedoch häufig ein Komplex aus verschiedenen Vitaminen, Spurenelementen (z.B. Zink) und Folsäure zugesetzt, laut Herstellerangaben verläuft die Gärung so um ca. 10% bis 15% schneller.
Bei ungenügender Enzymtätigkeit während des Maischens im Sudhaus oder bei Gärschwierigkeiten wird auch oftmals auf den Zusatz von künstlich hergestellten Enzymen, wie z.B. den stärkereduzierenden Amylasen, zurückgegriffen.
Um die Schaumentwicklung während der Gärung (die sog.
Kräusen) zu minimieren, verlassen sich viele Brauer auf die Zugabe von Polydimethylsiloxan, einem ungiftigen Silikon, besser bekannt als Mittel gegen Blähungen, als De-icing bei Flugzeugen und als Gleitmittel für Kondome.
Sowohl die Zugabe dieser Vitaminkomplexe (z.B. Handelsname “Yeastex”), das Benutzen von
Polydimethylsiloxan als auch die Zugabe von künstlich hergestellten Enzymen sind laut Reinheitsgebot nicht gestattet.

In den letzen Jahren scheint sich eine Entwicklung weg von den Mainstream-Bieren, hin zu Bieren aus kleineren craft-Brauereien anzudeuten. Viele dieser Kleinbrauereien versuchen sich ihr Marktsegment mit außergewöhnlichen Kreationen wie z.B. Pizza-Bier, Ales mit Blaubeer- oder Himbeerzusätzen, Bier unter Zusatz von Kakao, Schokolade, Schnäpsen, Wurzeln und Hölzern zu sichern.

Hier ist anzumerken, daß zumindest bei Bieren mit Fruchtaromen aus wirtschaftlichen Gründen eher selten mit realen Früchten gearbeitet wird. Meistens werden industriell hergestellte Aromen verwendet, welche in den meisten Fällen Inhaltsstoffe wie z.B. Maissirup (“High Fructose Corn Syrup”), Propylenglykol (Trägerstoff und Trägerlösungsmittel für Farbstoffe, Antioxidationsmittel, Emulgatoren und Enzyme) und Zitronen- oder Ascorbinsäure zur Säuerung und/oder Konservierung enthalten.

Vielleicht überlegt jetzt der Ein oder Andere ob Bier wirklich gleich Bier ist, oder ob es nicht an der Zeit ist Prioritäten in seinem Verbrauchsverhalten zu setzen. Was spricht schon dagegen sich ein bekömmliches, nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier zu kaufen, und bei dieser Gelegenheit gleich ein Schälchen Blaubeeren vom Farmers Market mitzunehmen? Schnell hat man so zu Hause selbst ein frisches, und vor allem mit natürlichen Zutaten, hergestelltes Blaubeerbier hergestellt.

Man kann das Bier allerdings allerdings auch ganz ohne Zusätze genießen, einfach mit der Familie oder mit guten Freunden, in einem schattigen Biergarten, und vielleicht noch mit einer leckeren Brotzeit.

Und? Kann man lassen, oder großer Blödsinn? Meinungen erwünscht! :-)
PS: ich bin überhaupt nicht kritikfähig, also reißt euch zusammen! ;-)

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