Wenn ich an meinem Klapprechner sitze, oder wenn ich im Wohnzimmer sitze, oder wenn ich im Schlafzimmer bin und aus dem jeweiligen Fenster sehe, habe ich Blick auf Gärten.
Ganz links ist ein Rentner, schräg dahinter irgendwelche Blödmänner, geradeaus, hinter einer größeren Rasenfläche, die Parkplätze eines kleinen Wohnblocks, und dann, abschließend, ganz rechts, die Volltrottel.
Die Menschen in den “Maritimes” (Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island) halten augenscheinlich nicht wahnsinnig viel von Gärten. Zwar sieht man hier jede Menge Häuser mit jeder Menge Rasen außenrum, aber das ist es dann eben auch – nur Rasen.
Keine Bäume, keine Sträucher, keine Blumenbeete (geschweige denn einer Wildwiese…), keine Kräutergärten – einfach nichts, nur eine große, grüne Fläche, auf der mittendrin ein Haus steht.
Ob das mit den langen Wintern zusammenhängt, oder ob diese Trägheit eine Folge des Saufens ist, oder ob das mit der “mental health” der Menschen hier zusammenhängt kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich spielen alle Faktoren hier zusammen.
Meine bessere Hälfte und ich sind hier die schwarzen Schafe der ganzen Umgebung, haben wir doch vor unserem Teil des “Gartens” Wildblumensamen ausgesät – mit schönen bunten Blumen als Resultat, mit Bienen und Hummeln, Streifenhörnchen die uns besuchen kommen, und ab und zu sogar einem metallisch-grün schillerndem Kolibri der von Blüte zu Blüte eilt.
Aber ich schweife ab.
Rasen will gemäht werden, das ist ein Fakt. Außer, man nimmt das Wachstum von Blumen in Kauf, aber das würde eben das einheitliche GRÜN stören.
Rasenmähen muß, zumindest laut kanadischen Standards, mindestens einmal, besser zweimal die Woche stattfinden (und wenn man schon beim Rasenmähen ist, dann muß man eben auch die Kanten trimmen).
Als Folge davon haben wir hier jeden Tag Rasenmäher unterwegs.
Montags der Rasen vor unserer Wohnanlage, Dienstags der Rentner, Mittwochs die Blödmänner, Donnerstags die Volltrottel mit ihrem Minitraktor, Freitags die anderen, nicht explizit genannten Mitmenschen, Samstags wird nicht Rasen gemäht, dafür werden mit der Kettensäge die wenigen Bäume gestutzt, und Sonntags fängt der Rentner wieder von vorne an.
Wird mal nicht Rasen gemäht, muß natürlich eine neue Stereoanlage in das Auto eingebaut werden. Um sicher zu gehen das diese Anlage auch ja richtig funktioniert, muß man sie natürlich ausprobieren. Am besten nach 22:00h, um nicht vom Tageslicht abgelenkt zu werden. Und funktionieren tut sie nur richtig, wenn mindestens 130 dB erreicht werden. Besser sind 150 dB.
Hört man einmal keinen Rasenmäher, und baut auch kein Arschgesicht irgendwelche Stereoanlagen in irgendwelche Rostlauben ein, dann handelt es sich offensichtlich um einen Feiertag. An Feiertagen muß man, das ist ebenfalls kanadischer Standard, mindestens 150 Leute zu einem Barbecue einladen. Am besten fängt man mit dem Barbecue um 20:00 h an, damit man sicher sein kann, daß alle Gäste um ca. 3:00 h morgens rotzbesoffen nach Hause fahren können.
Hilfe!
